Bevor man die ersten Latexteile miteinander verbinden kann, steht man vor der Qual der Wahl sich für den richtigen Kleber entscheiden zu müssen.

Die Bezeichnungen sind dabei sehr verschieden, wie z.B. „Latexmilch“, „Rubbercement“, „Latex-Bond“, „Gummilösung“, etc.
Am Ende gibt es jedoch nur zwei große Gruppen von Klebern die für die Anfertigung von Latexkleidung verwendet werden sollten.

1.) Latexmilch / Flüssiglatex
2.) Gummilösung / Vulkanisationslösung / Rubbercement

Andere Verbindungsstoffe wie Alleskleber, Sekundenkleber, Baumarkt-Spezialkleber usw. sind nicht zu empfehlen, da sie den Belastungen des dehnbaren Materials nicht stand halten, spröde werden oder bei der Reinigung aufplatzen.

 

Grundsätzliches

Beide Verbindungsmittel halten die Latexteilstücke mittels Adhäsion zusammen. Jeder kennt das Bild von einem „Gecko der auf einer senkrechten Fensterscheibe läuft“. Genau auf diesem Prinzip erfolgt die Verbindung von Latex. Entsprechend kann die Klebekraft verbessert werden wenn die Kontaktflächen staub-, puder- und fusselfrei sind bzw. der Kleber sorgsam aufgebracht wurde.
Weiterhin ist der Anpressdruck nach der Verklebung entscheidend. Je größer dieser ist, desto mehr Materialteilchen beider Klebestellen „haften“ aufeinander und stärken die Verbindung.

Die Einsatzbereiche beider Kleber sind vor allem von der Materialstärke abhängig, sowie den persönlichen Vorlieben. Latexmilch ist vor allem bis zur Stärke von 0,6mm geeignet (darüber geht aber natürlich auch) und Gummilösung ab 0,6mm und stärker. Der Grund sind die Eigenschaften des Latex sobald die Gummilösung aufgetragen wurde. Je dünner das Material, desto stärker wellt es sich (für einige Minuten) und kann die Handhabung erschweren.
Ist man etwas geübter, kann aber auch das normale 0,4’er Latex mit Gummilösung geklebt werden.

 

Nachbessern vermeiden

Wie man sich denken kann, ist die „Korrektur“ einer bereits durchgeführten Klebung sehr schwer, zum anderen nicht ratsam – und das aus mehreren Gründen:
– Kleben die Nahtstellen einmal aufeinander, sind diese nur sehr schwer zu lösen. Eventuell reißt sogar das Latex, verformt sich oder gibt unschöne Wellen
– Wird eine Klebestelle wieder gelöst, ist das Material darunter mit Kleber benetzt. Materialrückstände und die gebrochene Oberfläche führen zu einer deutlich verminderten Klebekraft, auch wenn nochmals Kleber aufgebracht wird. Dies ist vor allem bei den ersten Versuchen nicht immer zu vermeiden, sollte aber soweit es geht vermieden werden
– Bei einer nochmaligen Verklebung können leichter Luftblasen entstehen bzw. sich vor allem bei Latexmilch Rückstände bilden die später zu sehen sind

Kurz und gut: Lieber 2x den Klebevorgang „trocken“ testen und erst im Anschluss einmal, aber korrekt kleben.
Noch ein Rückschluss: Je mehr Nähte ein Latexstück hat, desto länger dauert es und desto fehleranfälliger und ggf. irreversibel verklebt ist es auch.
Bei der Erstellung von Schnittmustern ist also nicht nur auf ein extravagantes Erscheinungsbild zu achten, sondern auch darauf nur so viele Nähte/Klebestellen wie nötig einzubringen.

 

Der Kleber nach einigen Minuten. Die Materialverformung geht bei der Gummilösung zurück; die Milch wird transparant
frisch aufgetragener Kleber: links Gummilösung, rechts Latexmilch
Arbeitsschutz

Bei beiden Klebern ist auf die Inhaltsstoffe zu achten! Durch die Verwendung von  Ammoniak sowie Lösungsmittel, sollte auf eine ausreichende Belüftung bzw. Atemschutz geachtet werden. Einfache Gesichtsmasken sind nicht für die Arbeit mit diesen Gefahrenstoffen geeignet, wodurch auch bei der Anschaffung dieser auf die entsprechenden Schutzklassen zu achten ist.

Natürlich sollten die Masken dabei Nase & Mund bedecken.
Neben den Dämpfen kann auch Kontakt mit der Haut, im Speziellen den Fingern zustande kommen. Zwar ist dies bei Gummilösung durch den Gebrauch eines Pinsels für gewöhnlich weniger der Fall, gerade Latexmilch ist jedoch dazu prädestiniert zu tropfen und schnell „weggerubbelt“ zu werden.
Dünne Haushaltshandschuhe können Abhilfe schaffen – wer durch die langandauernden Arbeiten mehr Frischluft an Händen und Fingern bevorzugt, kann sich auch mit kleinen Fingerlingen bzw. Finger-Heftpflaster behelfen solange es bei Detailarbeiten nicht stört.

Vor allem bei den Handschuhen beißt sich die Katze aber schnell in den Schwanz:
Die meisten Fabrikate sind aus (…Überraschung…) Latex gefertigt, wodurch man im schlechtesten Fall nicht nur das neue Kleidungsstück, sondern dazu auch gleich noch alle Finger des Handschuhs zusammenklebt.

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