Inhalt der nachfolgenden Beschreibung ist (um das zu betonen) nicht die Erstellung einer Maßanfertigung. Details dazu werden in einem der Tutorials nachzulesen sein und würden den Rahmen eines „kurzen Einstiegs“ bei weitem sprengen. Worum es geht, ist (zunächst einfache) Latexbekleidung so anzufertigen, dass sie nicht ziept und keine Falten wirft.
Ohne sich im Voraus mit der Anfertigung exakter Schnittmuster bzw. Vorlagen zu beschäftigen, soll es in den kurzen Beschreibungen um eine schnelle Variante gehen, dem Ziel näher zu kommen, ohne Perfektion anzustreben. Aber warum dieses Vorgehen? Es geht darum ein Gefühl zu bekommen welcher Aufwand in welchem Maß mit der Anfertigung von Latex notwendig ist. Glücken die ersten Versuche kann man darauf aufbauen, sich näher belesen oder Fachliteratur beschaffen. Beißt man sich aber an Details die Zähne aus, zieht sich das erste Erfolgserlebnis unnötig in die Länge.

 

Das Ausgangsobjekt wird an den Nähten aufgetrennt

 

Ein Ausgangsstück finden

Im ersten Schritt stattet man dem eigenen Kleiderschrank oder Billig-Textilladen in der Nähe einen Besuch ab. Ziel ist es ein größenmäßig passendes, aber verzichtbares Teil zu finden um dieses anschließend zu zerschneiden. Ausgehend von einem einfachen Tanktop/Oberteil oder Slip/Shorts ist die perfekte Passform zwar wünschenswert, aber kein Muss.
Anschließend trennt man dieses Stück an den Nähten auf, legt die Einzelteile auf ein großes Blatt Papier und zeichnet diese ab. Besteht der Originalslip aus mehreren Einzelteilen, sollte man es sich einfach machen und ihn so zerscheiden, dass lediglich eine Vorder- und eine Rückseite entsteht.
Die Idee dahinter wird schnell klar: man nimmt ein passendes Stück Stoff um die Form zu erhalten und ändert es anschließend nach eigenem Wunsch ab.

Eine weitere Möglichkeit ist, eines der vielen kostenfreien Schnittmuster aus dem Internet oder Modezeitschriften zu nutzen und die nachfolgenden Anpassungen daran vorzunehmen. Wie man verfährt mag dabei auch von den eigenen Ansprüchen abhängen.

 

Aufzeichnen der beiden Seiten
Messen & anpassen

Nun wird das Maßband zur Hand genommen. Im Fall des eben genannten Tanktops werden alle relevanten Maße notiert die die Passform ausmachen. Brust-Taille-Hüfte sind ein guter Beginn, die Länge vom Ausschnitt bis zum unteren Ende des Shirts, usw.
Nun werden die horizontalen Maßzahlen genommen (bspw. Unterbrust- oder Taillenmaß) und um 5-10% verkleinert. Hierdurch liegt das Shirt später wirklich hauteng an und wirft keine Falten. Würde man die senkrechten Maße ebenso einkürzen (bitte nicht machen), wirkt sich diese Änderung lediglich auf die Länge aus. Anders gesagt: das Oberteil wird zu kurz.
Beim hier gezeigten Slip ist vor allem der Hüftumfang relevant. Nachdem Maß genommen wurde, wird auch dieser um 5-10% verkleinert und zunächst notiert.

 

 

 

 

Anpassen der Maße
Schnittmuster abändern & Nahtzugabe anfügen

Nun haben wir die jeweiligen Größen aufgeschrieben und anteilig etwas verringert. Soweit so gut. Diese Maße werden nun (der Einfachheit halber) durch 2 geteilt und die probeweise aufgezeichneten Papier-Schnittmuster angepasst. Ausgangspunkt ist immer die Körperachse, um die Änderungen zu gleichen Teilen auf der rechten und linken Seite durchzuführen. Mit etwas Gefühl oder unter Zuhilfenahme eines Kurvenlineals lassen sich die Rundungen gut abbilden.
Eine weitere Anpassung muss noch beachtet werden: an den Klebenähten benötigen wir durch die übereinanderliegenden Flächen auf jeder Seite des Shirts/Tops ca. 1cm die wir an beiden Kanten (in Summe also 2cm) hinzufügen müssen. Anders gesagt: das eben angepasste Schnittmuster erhält an den Seiten des Vorderteils (und nur dort) einen zusätzlichen Rand von 1cm.

 

Eine letzte Probemessung bestätigt hoffentlich die Vermutung dass wir alles richtig gemacht haben. Nun werden die aufgezeichneten Teile ausgeschnitten. Mit diesen Schnittmustern sind die Voraussetzungen für eine erste Probeanfertigung geschaffen, wobei der erste Versuch nur selten die Erwartungen erfüllt.

Wer sich näher für die Materie der professionellen Schnittmustererstellung interessiert, dem kann einschlägige Literatur ans Herz gelegt werden, auch wenn dabei mehr auf die handwerklichen Schritte zu achten ist, als auf die Fertigung, denn Abnäher oder die Arbeit mit der Nähmaschine sind bei Latex fast unmöglich oder führen zu einem zweifelhaften Ergebnis.

 

 

Hinweise zu Schnittmustern
In einer Klarsichtfolie geht kein Teil verloren

Ist ein Schnittmuster entstanden mit dem auch in Zukunft gearbeitet werden soll, wird dieses am Anfang meist zusammengelegt und „irgendwo“ abgelegt. Besteht es aus mehreren Einzelteilen, sind diese schnell verloren und man fängt wieder von vorn an.
Eine einfacher und effektiver Weg um auch nach längerer Zeit wieder mit den Vorlagen arbeiten zu können, ist die nachfolgenden drei Informationen direkt auf das Schnittmuster zu schreiben:

 

Name / Bezeichnung
Ein eindeutiger Name oder Nummer die auf jedes Einzelteil geschrieben wird zahlt sich immer aus. Bewährt haben sich zusätzliche Nummerierungen der Einzelteile, also bspw. „Schwarzes Kleid 1/4“… das zweite Schnittmusterteil bekommt „Schwarzes Kleid 2/4“… usw. bei insgesamt vier Einzelteilen

Erstellung & Änderungen sowie Größe angeben
Ein Datum wann der Schnitt gefertigt wurde, sowie kleine Änderungen durchgeführt wurden kann ebenso auf dem Papier vermerkt werden. Dies hat nicht nur das Ziel zeitlich einordnen zu können welche Variante wann entstanden ist, sondern auch um Anpassungen chronologisch nachvollziehen zu können. Die Größe mitzugeben ist immer ratsam um nicht bei jedem Schnittmuster nachmessen zu müssen. Lauten kann ein solcher Hinweis bspw:
„01.04.2018 – Schnittmuster erstellt; Größe M“
„05.04.2018 – Kragen wurde um 1cm gekürzt“

Anmerkungen für die Herstellung
Man weiß nie wann das nächste Teil mit dem Schnittmuster gefertigt wird. Um sich die Arbeit etwas zu erleichtern sind kurze, aber klare Infos im Nachhinein oft Gold wert. Bspw.:
„Klebekanten sind im Schnittmuster mit 0,7cm vorgesehen“ …oder…
„erst Teilstück 3 auf Teilstück 4 kleben; dann an 1 und 2 anfügen“… etc.
…bzw. allgemein Anzeichnungen wo z.B. die Klebekanten in welcher Ausdehnung vorgesehen wurden

Vor allem bei kleinen Schnitten (Slips, BHs, etc.) ist es ratsam alle zusammengehörige Einzelteile in eine Plastiktüte oder Klarsichtfolie zu packen.

 

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