LATEXLUX
Hey Ms. Bittersweet, ich freue mich über das kleine Interview und möchte natürlich gleich loslegen:
Erzähl uns doch wie du zum Latex gekommen – und dabei geblieben bist.

Ms. Bittersweet
Zunächst fand ich Latex tatsächlich sehr „obszön“ und irgendwie „komisch“ *lach* doch irgendwann traf ich dann auf einen damaligen sehr engen Bekannten, welcher mir erzählte, dass er in der Fetisch-Szene unterwegs sei und regelmäßig auf Fetischpartys ging. Also beschloss ich mir mein erstes Latex-Teilchen zu besorgen. Es wurde ein recht schlichtes schwarzes Kleid. Und so war ich also auf meiner ersten Fetisch-Party der recht bekannten „Extravaganxa“ in Hamburg.

Überraschenderweise stellt sich für mich heraus, dass man in Latex nicht nur gut aussehen konnte, sondern es sich auch noch unglaublich toll auf der Haut anfühlte. Zudem fand ich den Geruch, den Tragekomfort, sowie auch die Pflege unglaublich interessant und faszinierend.

Nunmehr war ich auf fast jeder Fetisch-Party unterwegs und bestellt mir immer mehr Latex von unterschiedlichen Designern. Leider musste ich dabei auch feststellen, dass dieser Stil nicht besonders günstig war. Aber Gutes hat eben oft seinen Preis.

LATEXLUX
Da gebe ich dir absolut recht. Latex ist wahrlich keine günstige Leidenschaft, aber es hat einen einzigartigen Look mit dem man auch auf der ausgefallensten Party aus der Masse hervor sticht.
Was waren die Gründe selbst mit der Herstellung zu beginnen?

Ms. Bittersweet
Nachdem ich nun meinen Weg in die Szene gefunden hatte musste ich feststellen, dass mir das meiste von der Stange nicht passte. Entweder schlug es Falten, war zu eng oder zu weit oder fühlte sich einfach nicht „richtig“ an. Zudem empfand ich die Designs nicht immer als „Besonders“. Für vieles hatte ich bereits eigene Ideen im Kopf. Und so traf es sich, dass eine ebenfalls damalige Freundin mir den Umgang mit dem Kleben von Latex zeigte.

Meine Versuche waren zunächst noch zögerlich. Nach einiger Zeit hatte ich den Dreh jedoch raus und begann eigene Schnittmuster zu entwerfen und umzusetzen. Meine Eingebungen und kreativen Phasen habe ich oft in weniger schönen Zeiten. Es ist wie ein Puzzle, welches sich plötzlich vor dem inneren Auge zusammensetzt sich die einzelnen Teile und das benötigte Material „ineinandersetzen“.

Irgendwann wurde ich immer öfter auf Partys angesprochen, von wem meine Outfits seien. Mit diesen Fragen wuchs auch das Interesse an den Sachen. Schließlich entschloss ich mich dann dazu, meine Sachen auch auf Nachfrage für andere anzubieten. Ich hatte bereits zuvor viel geschneidert, sodass mir die Basics bekannt waren. Dennoch habe ich mich eine lange Zeit intensiv mit Latex als Material und der besonderen Verarbeitung dieses beschäftig. Denn Kleben ist etwas anderes als Nähen.
Im Jahr 2020 habe ich dann eine Seite auf Instagram @bisweet666 eingerichtet, auf der ich sämtliche Stücke zeige und auch zum Kauf anbiete. Neben dem was ich anbiete, bin ich stets offen für Inspirationen und Wünsche, denen ich sehr gerne versuche nachzukommen. Darüber hinaus mache ich von Zeit zu Zeit auch Schmuck oder Headpieces und verarbeite auch andere Stoffe als Latex (Costume-Art). Für das kommende Jahr ist eine eigene Website geplant, auf der ich die einzelnen Produkte vorstelle und anbiete.

LATEXLUX
Was macht deine Latexstücke so besonders bzw. worin unterscheiden sie sich von den Werken anderer Designer?

Ms. Bittersweet
Vom Stil her bin ich relativ breit aufgestellt, sodass ich eigentlich fast alles mache, was in irgendeiner Art „besonders“ und „aufregend“ ist. Für mich ist es wichtig, dass man die Kreativität und das Herzblut dahinter sehen kann. Darüber hinaus kombiniere ich sehr gerne Materialien, wie Spitze und Latex oder Chiffon und Latex.
Dass man mit den Sachen selbstbewusst und erhobenen Hauptes (*g*) durch die Menge gehen kann 😊

LATEXLUX
Wo kann man deine Stücke denn bewundern bzw. in wieweit bist du außerhalb von Bittersweet Industries unterwegs?

Ms. Bittersweet
Als Model @ms.bittersweet666 kann ich meine Sachen zunächst sehr gut selbst in Szene setzen. Aber für die Zukunft fänd ich es natürlich toll auch ein paar andere Models in meinen Sachen zu sehen.

Das Modeln betreibe ich bereits seit mehr als 10 Jahren und es macht mir nach wie vor ungeheuerlich viel Spaß. Auch hier bin ich recht flexibel was das Set angeht. Draußen kann ich mich besonders gut entfalten. Ich mag es besonders, die Stücke, das Make-Up und die Lokation als Gesamtbild in Szene zu setzen.

Da wir aktuell wenig die Gelegenheit haben, mit anderen zu Shooten, habe ich angefangen, selbst zu fotografieren und zu bearbeiten.

LATEXLUX
Warum hast du den Namen „Bittersweet“ bzw. in Kombination mit „Industries“ gewählt? Man könnte vermuten, du hast noch Großes vor 😉

Ms. Bittersweet
Als ich damals mit dem Modeln angefangen habe, musste auch ein Name her. Ich wollte unbedingt etwas, womit ich mich identifizieren konnte. Es sollte ein klein wenig meinen Charakter widerspiegeln. Da ich einerseits ein sehr ruhiger, wissensdurstiger und eher introvertierter, andererseits aber auch ein sehr kreativer Mensch bin, der jedoch in entsprechender Umgebung (Partys Festivals oder Modenshows) dies durch aufwändige und eher extravagante Outfits nach außen transportiert und dennoch nicht „leicht zu fassen ist“ *lach*, fand ich das sehr passend. Nach diesem Motto habe ich mein ganzes Konzept aufgezogen und mir irgendwann bei einer Autofahrt überlegt, sofern ich jemals ein Label gründen sollte, ich auf jeden Fall das „Bittersweet“ mit hinein soll, da mich das bereits durch mein ganzes Leben begleitet – das Leben ist auch nicht immer ein Ponyhof *lach*. „Industries“ habe ich gewählt, weil etwas produziert wird. Allerdings eben nicht – wie das Wort vielleicht vermuten lässt – in Massen und „Standardformen“, sondern auf konkrete Anfrage, detailreich, extravagant und elegant. Alle meine Stücke, sind Einzelanfertigungen und zu 100% Handarbeit.

LATEXLUX
Das klingt nach noch viel kreativer Energie die in Latex gegossen – oder vielmehr verarbeitet werden will. Verrate uns doch zum Abschluss was dein Antrieb ist, immer neue Latexoutfits zu entwerfen und diese auch umzusetzen.

Ms. Bittersweet
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ich die Kreativität, ob nun als Model oder als Designer aus den Schattenseiten meines Lebens ziehe und versuche, diese in Positives umzuwandeln. Zudem leben wir in einer sich immer schneller drehenden Welt, in welcher es oftmals schwierig ist, das Gleichgewicht zu behalten. Da ist es einfach schön, wenn man sich ab und zu in seine eigene Welt fallen lassen kann, sich wohlfühlt und ein klein wenig übertreiben darf 😊

Kontakt
Facebook: Bittersweet Industries
Instagram: @bisweet666

Pics by:
@carlosther & @carlosther_2
@catherine_cayden
@cs.fotografie.by.chris.s
@alexis.sjoberg